dann solltest Du, auch Mitte August zur Summertime und ob mit oder ohne love-in, einen Pulli mitbringen, denn abends wird es hier ziemlich kühl und gerne mal windig. Aber man sollte auch immer Sonnencreme mitbringen, denn selbst wenn es einem nicht heiß vorkommt, die kalifornische Sonne hat Kraft und versengt Weißkäsen wie mir gar hurtig das Fell.
Doch von vorn:
Im Hotelzimmer, es war ca. 16 Uhr, fiel ich erstmal erschöpft auf das recht gar bequeme King-Size-Bett, verbat mir aber, einzuschlafen, sondern ruhte mich nur etwas aus. Ich hatte mir vorgenommen, mindestens bis 21, 22 Uhr durchzuhalten und dann gut und lange zu schlafen, so wäre der Jetlag möglicherweise sehr schnell erledigt. Also machte ich mich gegen 18 Uhr, nachdem ich zuvor schnell bei 7-Eleven umme Ecke eine Limo, ein paar Bananenchips und Ibu gegen die pochenden Kopfschmerzen erstanden hatte, auf den Weg, mir das nahe gelegene Fisherman's Wharf anzusehen. Ich hatte schon gelesen, daß es dort sehr touristisch sei und man Einheimische dort eher nicht finde. Das bestätigte sich. Dort drängen sich Souvenir-Buden, Krabben- und Fischrestaurants, Fast-Food-Moppeds und andere Touristenläden aneinander und es herrscht ein reges Treiben, das ich aber bei dem milden Abendlicht eigentlich sogar ganz angenehm fand.
Ich lief sehr gemächlich bis zum Hyde Street Pier und aß, da ich mäßig hungrig war, irgendwo einen kleinen Burger. Ich hatte schon im Supermarkt zuvor (0,75l Limo: 2,90 $!!) festgestellt und nun wieder, daß hier alles extrem teuer ist. Ich wollte das verifizieren und schaute auf dem Rückweg auf ein paar ausgehängte Speisekarten. Eine einfache Pizza kostet hier überall mindestens (!) 19 $! Potztausend! Ich kehrte dann ins Hotel zurück, wo ich um 21 Uhr das Licht ausmachte und wie ein Stein einschlief.
2. Tag in SF
Um 3 Uhr wachte ich relativ munter auf, zwang mich aber, weiter zu dösen und zu schlafen, bis 6 Uhr. Ich ging ins Fitnessstudio nebenan, um hernach frisch geduscht um kurz nach 7 beim Frühstück zu erscheinen. Wie geschätzt der Rest des großen Hotels. Es war also sehr voll und zusammen mit dem unattraktiven Frühstücksraum erzeugte das eine sehr ungemütliche Atmosphäre, die keineswegs zum postprandialen Verbleiben einlud. Zumindest das Frühstück selbst war aber gut, schmackhaft und reichlich – es fehlte einzig an akzeptablen Brotaufstrichen, nicht mal Erdnussbutter hatten die Lümmel (warum nicht, in den USA?).
Mir gefällt es, eine neue Stadt immer ersteinmal von oben zu sehen, so begann ich den zweiten Tag in SF mit einem Besuch des Coit Towers, von dessen oberster Plattform, auf die man von einer Omi in einem Uraltfahrstuhl (samt immer gleicher Aufzugfahrtzeitüberbrückungs-witzchen – die Amis lieben es, überall ein „Programm“ geboten zu bekommen) gefahren wird:
| hinten in der Mitte in der Nebelwolke ist die Golden Gate Brücke, das Inselchen im Wasser ist Alcatraz |
Da sie fußläufig erreichbar war, machte ich mich anschließend auf den Weg zur berühmten Lombardstreet, einer äußerst steilen Straße mit Serpentinen, die die Autos runterfahren müssen, die besonders hübsch mit Grünzeug bewachsen und insgesamt ein echter Touristenmagnet ist:
Danach wanderte ich die absurd steilen Straßenberge
-täler entlang bis zum Pazifik, um mir die Marina anzusehen. Von dort bog ich zum Fort Mason ab, wo vorsichtshalber noch eine Kanone stehengelassen wurde, falls der englische König doch nochmal mit seiner Flotte angreift, oder so:
Ich wollte dann weiter zu Crissy Field, um von dort einen guten Blick auf die (und vielleicht ein chiques Photo von der) Golden Gate zu bekommen. Doch bevor ich dort ankam sah ich aus der Ferne ein interessantes Bauwerk, das sich als „Palace of Fine Arts“ herausstellte und gerne von mir besichtigt werden wollte.
| macht schon was her :) |
ach ja, die Amis mit ihrer mickrigen 400-Jahre-Geschichte, müssen das irgendwie mit ihren klassizistischen Buden kompensieren (da soll ja in Washington auch einiges von rumstehen).
Schließlich erreichte ich Crissy Field und sah zahlreiche Jogger, Dogwalker und Grüppchen flanierender Omen, die gegen einen inzwischen recht kräftigen Wind anschnatterten. Nur die Golden Gate sah ich nicht, die lag im Nebel. Also fuhr ich mit dem Bus zurück bis zur Polk Street und erkundete von dort aus Russian Hill, Nob Hill und Chinatown
Ich lief und lief in dieser weiträumigen Stadt und guckte und schaute und irgendwann, es war schon später Nachmittag, hatte ich mehr als 20.000 Schritte getan, kein Middach gemacht und wollte mich daher ein Stündchen ausruhen, wofür ich das Hotel aufsuchte.
Abends wollte ich, neben was essen, noch den berühmten Pier 39 besuchen:
und bei der Horde Seelöwen-Hausbesitzer vorbeischauen, die Ende der 80er nach einem Erdbeben in den Hafen von Fishermen’s Wharf gekommen und seitdem irgendwie hängen geblieben waren:
| sieht relativ entspannt aus :) |
Zum Essen besorgte ich mir ein Sandwich mit Krabbenfleisch (das ist da so ein „Ding“, auf einer Hauswand stand in ca. 4 m großen, knallroten Buchstaben: „EAT CRAB“) in Playmobilgröße und eine Tube O-Safts für ca. 20 Öcken. Warum nicht gleich 50?, dachte ich und blieb hungrig nach dem Verzehr. Pier 39 ist so etwas wie eine outdoor-Mall mit Freizeitpark-Elementen und natürlich absolute Touristenfalle:
Ich widerstand den ungezählten Angeboten, irgendeinen SF-, Alcatraz-, Krabben-, oder sonstigen Klimbim zu kaufen, hieß das Gewesene einen Tag und ging heeme. Ich quälte mich trotz bleierner Bettschwere noch bis 22 Uhr, um kurz mit der liebsten Daheimgebliebenen, die sich gerade erhoben hatte und entsprechend wortkarg war, fernmündlich zu parlieren und stürzte hernach in Morpheus‘ Arme.
3. Tag in SF
Der dritte Tag begann wieder mit frühen Leibesertüchtigungen und abermals einem ungemütlichen Frühstück (es war voll, obwohl ich diesmal schon vor 7 anrückte – diesmal hatte ich ein Miniglas Nuttela dabei, das ich am Vortag erworben hatte, mit dessen Inhalt ich zum Neid vieler Mitgäste frischgeröstete Stullen bestrich). Mein SF-Programm dieses Tages stand ganz im Zeichen des Cable Cars, für das ich mir einen Tagespass mit unbegrenzten Fahrten an der Bude an der Endstation zugelegt und vorgenommen hatte, die 23 Tacken weidlich auszunutzen. Und so brauste ich bereits ca. gegen 8 Uhr morgens als einer von noch nur sehr wenigen Fahrgästen mit einem dieser uralten, famosen, rein mechanischen und tadellos funktionierenden Steam-Punk-Holzgefährte
| is it a bird? Nooooo! Is it a plane? Noooo! Is it Cable Man? Yeaaaaah! |
über die spektakulären Straßenberge und -täler
bis zur Endstation Union Square an der Market
Street:
Letztere führt mitten durch die Hochhausschluchten, die SF wie viele amerikanische Metropolen auch zu bieten hat, die aber dennoch anders auf mich wirkten als weiland die des Großapfels New York.
Mit in den Nacken gelegtem Kopf und um den Hals baumelnder Kamera wanderte ich staunend die Market Street entlang und hätte wahrscheinlich kein touristischeres Bild abgeben können. Schließlich langte ich beim Ferry Building am Hafen von SF an. Natürlich ist auch in diesem Gebäude eine Art Einkaufsmeile mit zahlreichen Fressläden, was ich zum Anlaß nahm, einen teuren Zaffe zu trinken und müßig die Flaneure zu betrachten.
Ich hatte Bock, wieder Cable Car zu fahren, also stieg ich an der Drum Str. in die California-Linie ein und fuhr bis zur Endstation, der Van Ness Street. Von dort ging ich zur Marina und machte vor dem Ghiradelli-Square ein Päuschen. Anschließend fuhr ich mit dem Bus zum phantastischen und riesenhaften Golden Gate Park, von dem ich nur ein kleines Stück erkunden konnte:
| v.l.n.r.: Goethe, Courts, Schiller (ich fand es cool und unerwartet zugleich, dieses Duo hier in diesem Park zu finden; übrigens den Ludwig van hatten sie auch dort) |
Mit dem Bus ging es zurück zur Marketstreet, die ich nun die andere Seite herunter kam, noch einen Kaffe schnappte und mich dann der Schlange anacondahafter Länge an der Cable Car Station am Unionsquare anschloß, um mit einem der Moppeds heimzufahren, um etwas zu rasten.
Abends bekam ich Lust auf 1. Pizza und 2. noch ‘ne Runde Cable Car und SF dachte, dem Manne kann geholfen werden. So setzte ich mich erst bei „Pescatore“ um die Ecke rein, führte mir eine 20$-Dollar-Pizza zu Gemüte (wie gesagt: drunter tun sie es nicht) und bestiegt dann die Mason-Powell-Linie und fuhr abermals bis zur Endstation in Downtown. Dort ging ich noch etwas auf und ab und fuhr dann, als es dunkler und kühler wurde, wieder an die Wharf. Finito.
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Wie ist es denn nun, dieses San Francisco?
In meinen Augen weder so sehnsuchtsvoll schön und „cozy“, noch so voller sanfter Menschen, wie es oft besungen wird, noch ist es so hoffnungslos schlimm und voller (sichtbarer) Obdachloser, wie es manchmal heißt: Auch wenn es wirklich viele geben muß/soll, habe ich nur relativ wenige gesehen und fast gar keine Hippies
| außer ihn hier |
dafür wirklich extrem viele Asiaten.
SF mit seinen charakteristischen steil zu Bergen aufsteigenden Strassen ist eine interessante, merkwürdige, schwer zu beschreibende Stadt und ich bilde mir keineswegs ein, genug davon gesehen und erlebt zu haben, um mir ein wirklich fundiertes Bild machen zu können. Es ist auch alles so voller Touristen aus allen Teilen der Erde und daraufhin voller Angebote für eben jene, daß es zusätzlich schwerfällt, etwas authentisches dieser Stadt auszumachen und zu begreifen, wer da wirklich wohnt und wer dort nur arbeitet, sich dort zu wohnen aber gar nicht leisten kann. In der Tat machen die enormen Preise für fast alles längeres Verweilen in der Stadt überaus kostspielig und viele arbeiten sicher nur ein paar touristische Highlights ab und ziehen dann weiter.
Ich meine aber, sagen zu könne, daß SF sehr, geradezu ostentativ tolerant ist, natürlich überwiegend demokratisch wählend. Wie sehr das in die von mir verabscheute Woke-Ecke geht, weiß ich nicht, es ist mir jedoch während meines Besuchs nichts dergleichen untergekommen. SF ist auch gar nicht klischee-kalifornisch: es gab keine Strand-Beautys, keine Surfer-Boys mit freiem Oberkörper, überhaupt kein echtes Strandleben und Badetourismus. Andererseits habe ich auch keine Rednecks und waffentragende Fundis dort gesehen und nicht eine einzige „MAGA“-Mütze oder dergleichen, generell sehr wenige politische Statements. Es fühlte sich ganz anders an, als z.B. New York, gab sich in Teilen absichtlich sehr ‚vintage‘ und sich der aus europäischer Sicht durchaus kurzen Geschichte und Traditionen sehr bewußt.
Insgesamt hat mir die Stadt gefallen, ich fand es sehr angenehm und entspannend, dort herumzulaufen und -zufahren, ob ich aber nochmal wiederkommen würde, kann ich heute nicht sagen – ich plane es nicht.
Ach ja: DAS Wahrzeichen der Stadt und sicher berühmteste Bauwerk habe ich in der ganzen Zeit keinmal in Gänze zu sehen bekommen: die Golden Gate Bridge wollte sich mir nicht zeigen und hüllte sich in Nebel. Das Bilderbuchphoto, das ich mir gewünscht hatte, habe ich leider nicht bekommen ;(
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